Dorfrundgang Dorste

Der Heimat- und Geschichtsverein Osterode hatte am 31. Mai 2026 zu einem Dorfrundgang durch Dorste eingeladen. Unter der kundigen Führung von Andreas Nackunstz konnten die Teilnehmer zwischen zwei Gewittergüssen viele Sehenswürdigkeiten des Dorfes entdecken. Als Startpunkt hatte man den Platz vor der Cyriaci-Kirche gewählt. Dort wurde auf das älteste Schulhaus der Gemeinde und auf dessen Nachfolgebau auf der anderen Seite des Sakralbaus eingegangen. Dieses zweite Schulhaus wurde später noch als Verwaltungsaußenstellen genutzt. Auch an die ehemalige „Kaiserliche Postagentur“ und an eine frühere Zweigstelle der Stadtsparkasse (später Edeka-Markt) in der Turmstraße wurde erinnert. Anschließend ging es zum zentralen Dorfplatz an der Kreuzung der Bundesstraße mit der Straße Mitteldorf und der Turmstraße. Früher gab es hier mit der Gastwirtschaft „Zum Goldenen Löwen“ (zuletzt „Trio“) und dem „Alten Dorfkrug“ zwei Gasthäuser. Nicht weit davon entfernt lag die Gaststätte „Zur Krone“, die ihren Namen einem Besuch des blinden Königs Georg V. von Hannover verdankte. Der Platz an der Kreuzung, den heute ein Maibaum schmückt, wurde umgangssprachlich als „Fohlenmarkt“ bezeichnet, da sich hier ein Treffpunkt der Dorfjugend befand.

 

An der Bundesstraße wurde u.a. auf das Kanonenrohr hingewiesen, das nach dem Zweiten Weltkrieg aus einem Panzerwrack ausgebaut wurde, um hier als Halterung für ein Tor eine friedliche Verwendung zu finden. Als Thema, das die Dorster seit Generationen beschäftigt, wurde auf die Hochwassergefahren eingegangen, die der meist friedlich dahinplätschernde Mühlenbach bei entsprechenden Wetterlagen mit sich bringt. Anhand alter Fotos wurde auch an den früheren Baumbestand entlang der Ortsdurchfahrt erinnert. Diese Bäume mussten dem Straßenausbau weichen. Ebenso wie die riesige Waterloo-Eiche, unter deren Krone früher bis zu sieben Erntewagen wettergeschützt untergestellt werden konnten. Eine wichtige Funktion für die örtliche Wirtschaft erfüllten die Gebäude der Spar- und Darlehenskasse (später Raiffeisenbank). Die Spadaka führte nicht nur Geldgeschäfte, sondern betrieb darüber hinaus auch einen umfangreichen Landhandel und eine Tankstelle. Sogar ein Kühlhaus wurde errichtet, in dem die Dorster, bevor es in den Haushalten Gefriertruhen gab, wärmempfindliche Waren aufbewahren konnten.

 

Im Rahmen des Dorfrundgangs ging man auch auf die aktuelle Infrastruktur ein. So gibt es heute im Ort weder eine Gaststätte noch ein Lebensmittelgeschäft, auch einen Arzt sucht man vergebens. So sind die Dorster Einwohner aufgrund des sehr überschaubaren Nahverkehrsangebots heute häufig auf das Auto angewiesen, um ihren Alltag zu bestreiten.

Herr Nackunstz wies auch auf den Straßennamen „Auf der Schanze“ hin, der wohl an ein Befestigungswerk aus dem Dreißigjährigen Krieg erinnert. Die Dänen unter König Christian hatten zeitweilig in Dorste Quartier bezogen und das Dorf bei ihrem Rückzug im August 1626 in Brand gesteckt.

 

Das dritte, im Jahr 1911 eingeweihte Schulhaus sowie das 1966 errichtete vierte Schulgebäude wurden gezeigt. 2007 endete mit der Schließung der Grundschule die Dorster Schulgeschichte. Während die Schulkinder aus dem Dorf heute mit Bussen zu auswärtigen Einrichtungen gebracht werden müssen, behielt Dorste wenigsten einen Kindergarten, dessen Neubau seit 1999 in der Meierbreite steht.

Der Edelhof der Familie von Hedemann war einst ein bedeutendes Rittergut. Neben dem eigentlichen Gut besaß die Adelsfamilie auch mehrere Meierhöfe in Dorste. Im Jahr 1876 erwarb der Kaufmann Ohlmer das Gut und veräußerte es später an die Gemeinde. Brandkatastrophen zerstörten 1927 die große Scheune und ein Jahr darauf auch das Herrenhaus des Gutes. Heute zeugen noch einige Wirtschaftsgebäude und Teile der Umfassungsmauer von der Größe des alten Rittergutes.

 

In der Meierbreite befindet sich auch das Gebäude der 1890 gegründeten Molkereigenossenschaft Dorste. Während des Zweiten Weltkriegs wurden die kleinen Molkereien in den Dörfern aufgelöst. Die Dorster Bauern mussten ihre Milch fortan an die Osteroder Molkerei abliefern. Ein weiterer Betrieb, der unmittelbar mit der Landwirtschaft zusammenhing, war die Mittelmühle, in der Getreide gemahlen wurde. Wie einige weitere Getreide-, Öl- und Papiermühlen im Bereich des Dorfes nutzte auch die Mittelmühle die Wasserkraft des von der Söse abgeleiteten Mühlengrabens zum Antrieb. Einige Mühlen konnten auch das Wasser des Mühlenbaches auf ihre Wasserräder leiten. Das heute noch vorhandene Gebäude der Mittelmühle wurde 1934 errichtet, nachdem der Vorgängerbau abgebrannt war.

Im Bereich des Hinterdorfs wurde auf den Platz eingegangen, der in der Zeit des Nationalsozialismus den Namen Hindenburgplatz trug. Von dem Platz aus gelangte man auch in die Turmstraße, die in jenen Jahren die Bezeichnung Adolf-Hitler-Straße trug.

In der Straße Hinter der Kirche steht noch ein Hofgebäude, das einst dem Gemeindevorsteher Ahrens gehörte. Ahrens hatte sich in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg um Dorste sehr verdient gemacht: Er veranlasste den Neubau der Schule, sorgte für den Bau einer Wasserleitung und für den Anschluss an das Stromnetz. Auch hatte der Gemeindevorsteher den ersten Telefonanschluss im Ort. Zudem wurde kurz das Schicksal der Familie Ahrens angesprochen, deren beide Söhne im Ersten Weltkrieg gefallen sind.

 

Im Turm der Cyriaci-Kirche findet sich die Gruft der Familie von Hedemann, die auch besichtigt werden konnte. Ab 1704 fanden hier 21 Erwachsene und vier Kinder der Adelsfamilie ihre letzte Ruhestätte. Da das Kirchenschiff und der obere Teil des Turms baufällig waren, mussten sie in den Jahren 1822–1824 durch einen Neubau ersetzt werden. Interessant ist in der Kirche die aufsteigende Anordnung der Kirchenbänke, die einen besonders guten Blick auf den Altar ermöglicht. Anschließend konnten die Teilnehmer des Rundgangs noch das kleine „Kirchenmuseum“ mit der Lutherfahne von 1817 im Kirchturm besichtigen. Zum Abschluss dankten die Teilnehmer Herrn Nackunstz herzlich für diesen spannenden, unterhaltsamen und sehr informativen Dorfrundgang.